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Neue Steuerwelt?

In der Schweiz diskutieren wir die 99 %-Initiative. Diese will, dass das Kapitaleinkommen 1.5 mal stärker besteuert wird als das Arbeitseinkommen.

Die Frage ist, ob höhere Steuern das einzige und richtige Mittel sind, um hier zu korrigieren.

Der französische Ökonom Gabriel Zucman schlägt vor, die Börsenkapitalisierung der Firmen in den G-20-Staaten mit jährlich 0.2% zu besteuern. Dabei sollen die Börsenplätze diese Steuer einziehen und in neu ausgegebenen Aktien dem Staat bezahlen. Dieser kann die Aktien dann über die Börse verkaufen.

Die USA wollen unter der neuen Administration eine weltweite Mindeststeuer auf Unternehmensgewinnen von 21% einführen. Und nachgedacht wird auch über eine beinahe Verdoppelung der Steuern auf Kapitalerträgen. Wer mehr als 1 Mio. $ im Jahr (aus Kapitalerträgen?) verdient, soll Bundessteuer von bis zu 43.4% bezahlen.

Jan Egbert Sturm von der KOF ETH dachte laut über eine Steuer für Corona Gewinner (auf exzessiven Gewinnen) nach. Und einer befristeten Steuer für Gutverdienende.

Das sind nur einige der Meldungen, die mir in letzter Zeit aufgefallen sind. Alle zielen sie in die gleiche Richtung: Von den höheren Einkommen oder Gewinnen soll ein zusätzlicher Anteil vom Staat abgeschöpft werden. Teilweise in richtiger Robin-Hood-Manier: Nimm von den Reichen und gib den Armen.

Aber es wäre zu einfach, dies als “linke Spinnerei” abzutun. Die Anliegen spiegeln ein breit verbreitetes Gefühl, dass bezüglich der Verteilung der Vermögen ein Ungleichgewicht besteht. Und wenn man Meldungen von den Vermögen der reichsten Menschen hört, die teilweise bis zu 200 Mia. Vermögenswerte besitzen, dann kann man das nachvollziehen.

Die Frage ist, ob höhere Steuern das einzige und richtige Mittel sind, um hier zu korrigieren. Die Gefahr besteht, dass man auf Einzelne zielt, aber Bevölkerungsgruppen, insbesondere Leistungsträger unserer Gesellschaft trifft, bei denen keine Exzesse vorliegen. Und bei denen Initiative und Leistungsbereitschaft abgewürgt würden.

Auch die Besteuerung von Kapitalerträgen und Vermögen tönt auf den ersten Blick gut und nachvollziehbar. Aber Kapital ist beweglich und mobil. Die Reaktion auf erhöhte Steuern kann ein Abfluss von Steuersubstrat sein aber auch, dass am falschen Ort investiert wird. Also nicht da, wo die Produktivität erhöht und damit der Wohlstand von allen gesteigert wird.

Fazit

All die Vorschläge tönen nachvollziehbar und lassen vermutlich viele denken: “Warum nicht, mich trifft es ja nicht”. Don’t tax you, don’t tax me, tax the fellow behind the tree. Das könnte aber ein Trugschluss sein, wenn man Steuersystemänderungen mit dem Holzhammer macht. Die Auswirkungen könnten mehr Kreise treffen, als den Sympathisanten solcher Vorschläge lieb ist.

In gut eidgenössischer Manier würde ich sagen, durchatmen, nachdenken, handeln (wenn denn wirklich nötig).

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